RFC Bierstube 2018

 

Die letzten beiden Jahre bekleideten der RFC und die Bierstube jeweils Platz 3. und 4., meist mit einem deutlichen Abstand zum Fünftplatzierten. Das allein zeigt, auf welch ähnlichem Niveau die beiden Teams sich bewegen. Auch dieses Jahr wird die Bierstube wohl ein ernster Titelkandidat sein – so viel war vor dem Spiel klar. Das kompakte und körperbetonte Spiel der Ober St. Veiter tat dem RFC immer schon weh – dazu ergriff den RFC in den vergangenen Aufeinandertreffen eine temporäre Abschlussschwäche, wie sie sonst nur spanische Stürmer beim FC Chelsea befällt.

Doch diesmal wollte der RFC die vergangenen Fehler vermeiden. Möglich machen sollte das im Tor Postner, der sein erstes Meisterschaftsmatch absolvierte, vor ihm wie gewohnt Roko, der diesmal Reither an die Innenverteidiger-Seite gestellt bekam, was eigentlich auf eine spielstarke Innenverteidigung hindeutete. Auf den Seiten verteidigten Allroundwaffe Zadrazil und der junge Vinzenz Moser, der für den gesperrten Schützenhofer ins Team rückte. Die Sechs bekleidete wie gewöhnlich Özdek, davor spielten diesmal Vincent Moser und Pachinger. Auf den Flügeln sollten, ebenfalls unverändert, Zwickl und Renato für Gefahr sorgen. Renato feierte kurz davor seinen 30. Geburtstag und wollte sich mit einem Sieg das (natürlich) schönste Geschenk machen. Im Sturm begann Strafraumkobra und Seitfallakrobat Markus Raunig. 

Gleich zu Beginn des Spielberichts müssen die wichtigsten Regeln von seriöser Berichterstattung über Bord geworfen werden, denn als der Spielberichterstatter mit zehn Minuten Verspätung auf den Platz kam, stand es bereits 0:2. So viel zum Matchplan. Was war geschehen? 

In der 7. Minute verliert Vinzenz Moser den Ball auf der linken Seite. Ein Querpass folgt, Roko sprintet von der linken Innenverteidiger-Position auf die rechte Seite, hat den Ball jedoch falsch eingeschätzt – der gegnerische Spieler ist vor ihm an der Kugel und kann sie in die Mitte legen, wo jetzt, da beide Innenverteidiger auf der gleichen Seite sind, ein Loch klafft. Der Stürmer der Bierstube ist also allein vor Postner und muss nur noch einschieben – 0:1 (7.).

In der Tonart geht es weiter. Nur wenige Minuten später mutiert ein weiter und langer Abschlag der Bierstube zu einer unvermuteten Vorlage, als der Bierstube-Stürmer im Strafraum des RFC die Hoheit über den Luftraum behauptet und den Ball vom Elferpunkt unerwartet direkt mit dem Kopf nimmt. Postner ist etwas überrascht, doch der Ball ist auch gut geköpft und schlägt im Eck ein – 0:2 (10.). (Anmerkung des Autors: Das Datenmaterial wurde in investigativer Arbeit durch detaillierte Interviews mit Betroffenen zusammengetragen. Es wird keine Haftung übernommen.) 

Es muss erwähnt bleiben, dass die Bierstube noch nie mehr als ein Tor gegen den RFC geschossen hat und bisher auch noch nie ein Tor in der ersten Hälfte gefallen ist. Das zeigt, wie defensiv die Bierstube normalerweise ihr Spiel gestaltet. Umso härter also, wenn man in den ersten zehn Minuten zwei Treffer kassiert und dann das Spiel machen muss. 

Dem RFC fielen nicht wirklich Gegenmittel ein. Die Spieleröffnung ins Mittelfeld funktionierte so gut wie gar nicht, und bei langen Bällen blieb die Bierstube meist Sieger. In der Abwehr erlaubten sich die Gäste keinen Fehler, so dass es mit 0:2 in die Pause ging. In der Halzbeit kommt Neuerwerbung Gerstner für Vincent Moser ins Spiel, Philipp Sassmann gibt sein Debüt auf dem Feld für Zadrazil (45.). 

In der zweiten Halbzeit sollte der RFC dann zu seinen Chancen kommen. Nach einer Ecke und einem kurzen Gestochere kommt Raunig im Sechzehner zum Abschluss, sein Schuss wird allerdings geblockt. Auch Zwickl gelingt jetzt, mit Fortdauer des Spiels und Ermüdungserscheinungen des Gegners, öfters ein Durchbruch über die Seite. So läuft er zweimal allein auf den Tormann zu, vergibt einmal und sieht sich einmal mit einer herausragenden Parade des Bierstuben-Goalies konfrontiert. 

Natürlich muss der RFC jetzt aufmachen und bietet somit Räume für Konter. Eine schnelle Kombination über die Seite öffnet die RFC-Defensive und lässt einen Bierstube-Stürmer allein aufs Tor laufen, doch Postner kann das Eins-gegen-Eins für sich entscheiden. In der 65. Minute greift Coach Fohsl dann zu seiner letzten Waffe und wechselt sich selbst ein – für ihn geht Vinzenz Moser raus. 

Doch die letzten Minuten sind eher zerfahren als intensiv. Bierstube muss nicht, der RFC kann nicht wirklich – heute fehlt den Wildschweinen Zweikampfstärke, die Souveränität vor dem Tor und Kreativität im Spielaufbau. Gegen eine andere Mannschaft könnte man sich vielleicht trotzdem irgendwie durchsetzen, doch Bierstube ist dafür zu abgebrüht. Da hilft es auch nichts mehr, dass nach einem Freistoß aus dem Halbfeld ein Bierstube-Verteidiger das Leder relativ unbedrängt in den eigenen Kasten köpft – das 1:2 kommt zu spät, um noch mal wirklich was am Spielstand zu ändern (89.). 

Dann ist auch schon Schluss und der RFC verliert das zweite Spiel der Saison gegen einen der wohl stärksten Gegner, zumindest wenn man die Ergebnisse der letzten Saison heranzieht. Nach wie vor ist schwer abzusehen, wo der RFC eigentlich steht. Im ersten Spiel hatte man mit Alxingergasse wohl eines der schwächsten Teams der Liga, dieses Mal ging es gegen Bierstube gegen ein Team mit hohen Ansprüchen, ehe nächstes Wochenende mit Salzachsturm wieder eine Mannschaft folgt, die eher im hinteren Teil der Tabelle zu finden sein wird. Überhaupt ist die Liga mit fünf neuen Teams schwer einzuschätzen. Unterm Strich aber gilt ohnehin: Der RFC darf nicht auf andere Teams schauen, sondern muss sich auf sein Spiel konzentrieren. Diesem fehlt zurzeit, das waren die Lektionen des zweiten Spieltags, die Kaltschnäuzigkeit im Abschluss und die kreativen Ideen gegen kampf- und verteidigungsstarke Teams. 

  

Startaufstellung: 

01 Amos Postner - 14 Vinzenz Moser, 33 Robert Kolerovic, 29 Franz-Fabian Reither, 08 Valentin Zadrazil - 19 Halil Özdek - 27 Sebastian Zwickl, 07 Lukas Pachinger, 62 Vincent Moser, 20 Renato Gherghinescu - 09 Markus Raunig

 

Wechsel:

05 Simon Gerner für Vincent Moser (45.)

31 Philipp Sassmann für Zadrazil (45.)

55 Christoph Fohsl für Vinzenz Moser (65.)

Tore:

ET

Nicht nur bei uns zählt jeder Euro:

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Für die perfekte Harmonie: